Interviews zum Weltfrauentag 2026 im Internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft 2026.
Für das Jahr 2026 fordern die Vereinten Nationen alle Mitgliedstaaten auf, das Bewusstsein zu schärfen, welche entscheidende Rolle die Landwirtinnen auf der ganzen Welt in Agrar- und Ernährungssystemen spielen, wie auch für deren Beiträge zur Ernährungssicherheit und Armutsbekämpfung.
Anlässlich des Weltfrauentags am 8. März im Internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft haben wir einige Waakirchner Bäuerinnen gebeten, uns ein paar kurze Fragen zu beantworten. Ihre Antworten findet ihr weiter unten im Beitrag.
Mit der landwirtschaftlichen Betriebshelferin Margret Finger ist sogar ein umfangreiches, interessantes Interview entstanden, das wir euch zuerst präsentieren wollen:
Wos Guads vor Ort eV: Welche Rolle spielen Frauen in der Landwirtschaft heute?
Margret Finger: In der für uns im Landkreis Miesbach typischen familiengeführten, kleinstrukturieren Landwirtschaft, bildet die Arbeit der Frau das Fundament, den soliden Grundstock eines jeden Betriebes und darauf arbeitenden Personen. Meist übernehmen sie die „Sich-kümmern“-Arbeit. Sie kümmern sich um:
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- neugeborene Kälber, ob sie genug trinken
- kranke Tiere (z.B. bei Euterentzündungen)
- die Versorgung der Kleintiere
- Kundenpflege in der Direktvermarktung
- Betreuung von Feriengästen
- die nie endende Büroarbeit
- das Erscheinungsbild von Haus und Hof
- die Versorgung der gesamten Mehrgenerationsfamilie
Oft sind sie der „rückenfreihaltende Anker“ für Männer, Väter oder Betriebsleiter. Sie sorgen dafür, dass bei Arbeitsspitzen der Stall weiterläuft, alle versorgt sind und Bürokratie bewältigt wird.
Hat sich die Rolle der Frau in den letzten 20 Jahren geändert?
Margret Finger: Kein landwirtschaftlicher Betrieb und keine darauf beheimatete Familie ist mit einer anderen vergleichbar. Es sind immer unterschiedliche familiäre und betriebliche Situationen, somit ist die Arbeit einer Frau nicht vergleichbar mit der einer anderen landwirtschaftlich tätigen Frau. Aber immer mehr Frauen arbeiten in landwirtschaftlichen Bereichen und bilden sich aus und weiter. In der praktischen Arbeit auf den Höfen geht die Veränderung jedoch oft nur langsam voran.
Wo wird ihre Arbeit oft unterschätzt?
Margret Finger: Frauen unterschätzen ihre eigene Arbeit häufig selbst. Ihr Beitrag zum täglichen Ablauf eines Betriebs ist immens – und nicht vergleichbar, da jede familiäre und betriebliche Situation anders ist. Oft wird übersehen, dass ihre Arbeit das Fundament eines jeden Betriebs bildet. Darauf baut alles andere auf.
Was ist die größte Herausforderung für Frauen in der Landwirtschaft?
Margret Finger: Es ist eine Mischung aus allem: wirtschaftlicher Druck, Familie und Hof vereinbaren, alte Rollenbilder. Haushalt und Kinderbetreuung liegen meist weiterhin in Frauenhand. Das mit den betrieblichen Abläufen zu verbinden, ist eine große Herausforderung. Hinzu kommt, dass Frauen häufig auf einen Betrieb kommen und sich einfügen müssen. Mitarbeit wird als selbstverständlich angesehen, so entsteht leicht eine finanzielle Abhängigkeit. Vorsorge und Absicherung im Falle einer Trennung oder fürs Alter sind daher enorm wichtig und eine große Herausforderung. Auch der mentale Druck durch dauerhafte Verantwortung – ohne Feierabend oder Feiertag – ist nicht zu unterschätzen.
Haben Frauen genug Mitsprache und Sichtbarkeit?
Margret Finger: Hier ist noch viel Luft nach oben. Frauen im ländlichen Raum sind gut vernetzt, repräsentieren die Landwirtschaft stark nach außen und schaffen Begegnungsräume. In Politik, Wissenschaft und Praxis ist ihre Mitsprache und Sichtbarkeit jedoch oft weiterhin gering.
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- sich selbst mehr zuzutrauen
- Maschinen zu bedienen
- Entscheidungen zu treffen
- aktiver mitzubestimmen
- sichtbarer zu werden
Landwirtschaft ist keine Männerdomäne. Es ist DIE Landwirtschaft. Ein Femininum – und so sollte sie auch gelebt werden.“
Kurzumfrage unter Waakirchner Bäuerinnen:
1. Kaffee oder Stall zuerst?
2. Was liebst du an deinem Beruf am meisten?
3. Wofür trägst du auf eurem Hof hauptsächlich Verantwortung?
4. Frau in der LW heißt für mich… ODER: Was sind heute die Herausforderungen für Frauen in der LW?
5. Dein Hof in drei Worten:
Anworten von Michaela Schwaighofer, Woidhauserhof Piesenkam
- Erst die Stallarbeit dann der Kaffee.
- An meinem Beruf liebe ich die Abwechslung, jeder Tag ist anders. Vor allem in den Jahreszeit die verschiedenen Arbeiten im Einklang mit der Natur.
- Ich trage die Verantwortung für die Zimmervermietung, alle Bürotätigkeiten für den Betrieb (inkl. Buchhaltung), die Tiere auf dem Hof (Meldungen/ Anträge Landwirschaftsamt), zwei Kinder und meine Eltern
- Frau in der Lawi heißt: Verantwortung für den Hof zu übernehmen; täglich mit Herz, Verstand und Tatkraft zu arbeiten; Traditionen weiterzuführen und gleichzeitig offen für neues zu sein
- Mein Hof in 3 Worte: Zusammenhalt, Heimat, Leidenschaft
Anworten von Maria Gast, Hof Unterkammerloh Waakirchen
- Erst Stall dann Kaffee
- Ich liebe eigentlich alles, die Vielseitigkeit, jeder Tag ist anders, immer wieder neue Herausforderungen
- Meine Verantwortungsbereiche sind Melken und das Eierhäusl
- Für mich heißt Frau in der Lawi: Wegweisend, vermittelnd zwischen Hof und Familie
- Mein Hof in 3 Worten: Wohlfühlort, biologisch, naturnah…
Anworten von Christine Weindl, Hof Beim Bau’rn Krottenthal
- Wir frühstücken mit schwarzem Tee und frischer Zitrone. Erst um 8 Uhr gehen wir dann zu unserer Mutterkuhherde – vorher schlafen alle noch
- Ich liebe es, wie man von seinen Tieren Vertrauen und Liebe zurück bekommt, und meine freie Zeiteinteilung
- Ich bin vor allem für das Finanzielle und die Vermarktung verantwortlich. Ansonsten treffe ich alle Entscheidungen mit meinem Mann gemeinsam
- Frau in der LW heißt für mich Verantwortung, dass es meinen Tieren gut geht
- Mein Hof: bio, erfolgreich, unverzichtbar
Antworten von Ingrid Hagleitner, Mitglied im Ortsbäuerinnen Ausschuss Waakirchen-Schaftlach
- Der Zusammenhalt in der Familie ist entscheidend: Früher hat mein Schwiegervater viel geholfen, heute steigt auch unser Sohn mit ein
- Im Frühjahr packen alle zusammen an – beim Zäune reparieren oder Mist ausbringen
- Familienleben gehört für mich dazu: Beim Essen sitzen selbstverständlich auch die Älteren mit am Tisch
Meine Aufgaben in unserem landwirtschaftlichen Betrieb sind
- Buchhaltung und Förderanträge
- Organisation im Hintergrund – Arbeit, die man oft gar nicht sieht
Rolle der Frau heute
- Junge Bäuerinnen sind oft technischer unterwegs und arbeiten selbstverständlich auch mit Maschinen und Traktor.
Herausforderungen der Frauen in der Landwirtschaft
- Mehrfachbelastung: Landwirtschaft, Familie und oft noch ein zusätzlicher Beruf
- Planung schwierig durch schwankende Milchpreise
- Wunsch nach mehr Mitspracherecht und rechtlicher Absicherung für Frauen
Was ich an der Landwirtschaft liebe
- Das Leben im Rhythmus der Natur – besonders im Frühling, wenn alles wieder wächst.
- Ausgleich finde ich beim Musizieren und draußen in der Natur.
- Wir halten Tiere für den eigenen Bedarf – sie wachsen gut bei uns auf. Ich finde, das schmeckt man
Blogbeitrag von Dani Skodacek und Nadia Sadeghian | Fotos: privat
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